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Drittmittelprojekt

Titel:
Wege zu einer Alltagsgeschichte der medizinischen Ethik. Vom Umgang mit Schwerkranken (1500 - 1900)

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
Die Geschichte der medizinischen Ethik hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Darin spiegelt sich nicht zuletzt das Bewußtsein der kulturellen Kontingenz und historischen Verwurzelung der verschiedenen ethischen Grundpositionen, welche die gegenwärtigen Ethikdebatten bestimmen. Für die Zeit vor 1900 beschränkt sie die Forschung bisher freilich fast ausschließlich auf die Analyse gelehrter Schriften vor allem zur ärztlichen Pflichtenlehre. Normative, deontologische Schriften eröffnen jedoch kaum Aufschluß darüber, wie Ärzte und andere Heilkundige früherer Jahrhunderte in ihrem Alltag tatsächlich mit ethischen Fragen und Wertekonflikten umgingen. Nur in der Anwendung am Krankenbett gibt sich jedoch die konkrete, praktische Bedeutung und Wirkkraft jener theoretischen, normativen Positionen zu erkennen, die im ethisch-deontologischen Schrifttum formuliert wurden. Nur hier wird im Falle widersprüchlicher Positionen greifbar, welche Auffassungen im lebensweltlichen Umgang mit einem ethischen Dilemma vorherrschten und das Handeln der Beteiligten bestimmten. Eine Alltagsgeschichte medizinethischer Praxis ist daher ein dringendes Desiderat.

Es ist zentrales Anliegen des beantragten Forschungsvorhabens, Wege zu einer solchen Alltagsgeschichte der medizinischen Ethik an einem zentralen medizinethischen Problembereich exemplarisch aufzuzeigen, der Geschichte des handelnden Umgangs mit Schwerkranken und Sterbenden. Die Fokussierung auf die alltägliche Praxis soll dabei, in Anknüpfung an die jüngere Patientengeschichte, mit dem Versuch verbunden werden, ethische Konfliktsituationen so weit wie möglich auch aus der Perspektive der Kranken und Angehörigen heraus zu begreifen und ihre subjektiven Erfahrungen jenen der Ärzte an die Seite zu stellen und mit ihnen zu kontrastieren. Als Quellen sollen in erster Linie Patientenbriefe und Autobiographien von Laien sowie erfahrungs- und praxisnahe Texte (Fallgeschichten etc.) aus ärztlicher Feder dem deutschsprachigen und niederländischen Raum dienen.

Schlagworte:
    ethik

Laufzeit: von 08.2004 bis 07.2007

Förderinstitution:
Sonstige Stiftung ( Fritz Thyssen Stiftung )

Publikationen: