Forschungsschwerpunkt: |
Institut für Klassische Philologie
Residenzplatz 2, 97070 Würzburg Mail: claudiawiener@aol.com Url: http://www.uni-wuerzburg.de/klphil/ |
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Forschungsschwerpunkte (und Projekte auf Basis der Grundausstattung):
I. Lucan
Römische Epik liefert eine Interpretation der Zielrichtung der eigenen Geschichte aus der Vergangenheit - das kann die Urgeschichte Roms genauso sein wie die jüngste Vergangenheit der Bürgerkriege. Lucans Deutung des Bürgerkriegs und seiner Konsequenzen für die eigene Gegenwart kann auf der Basis der stoischen Lehre neu erschlossen werden, ohne daß sich der Geschichtspessimismus und die Verzweiflung an der göttlichen Providenz in dem Maße bestätigen ließe, wie es die neuere Forschung postuliert.
II. Walter von Châtillon
Das wirkungsmächtigste mittellateinische Epos des 12. Jh., die Alexandreis des Walter von Châtillon, deutet Alexanders Siegeszug und den Untergang des persischen Reiches, indem die Danielprophetie von der Abfolge der vier Weltreiche als Grundlage für ein typologisches Verfahren dient: Parallelen zu Lucans Bürgerkriegsepos in Bucheinteilung, Episodengestaltung und Personencharakteristik beweisen, daß sich in beiden Kriegen eine weltgeschichtliche Situation wiederholt: die Ablösung einer Weltherrschaft durch die nächste. Diese typologische Methode (Alexander und Dariuas präfigurieren Caesar und Pompeius) wird bis in die eigene Zeit fortführbar (Alexander und sein Zug nach Osten als Vorbild für den jungen französischen König und den geplanten III. Kreuzzug).
III. Trophaea Bavarica
Die jesuitische Festdichtung zur Einweihung von St. Michael in München (1597) ist ein Manifest der gegenreformatorischen Bewegung in Bayern. Der Rückgriff der Festschrift-Autoren auf spätantike und byzantinische Historiker und die Hervorhebung der konstantinischen Ära verrät das gedankliche Umfeld der Kontroverstheologie. In der Auseinandersetzung um die Berechtigung von Riten wie der Kirchweihe und von Reliquienverehrung gewinnen spätantike und byzantinische Quellenautoren zum historischen Nachweis frühcheristlichen Brauchtums an Bedeutung. Hier wird die grundsätzlich konträre Geschichtsauffassung in beiden Konfessionen fokussiert: auf das Dekadenzmodell der Gnesiolutheraner, das in der großen Kirchengeschichte der "Magdeburger Zenturien" mittels einer strengen historiographischen Methodik die dogmen- und institutionengeschichtliche Entfaltung der Kirche als Fehlentwicklung des christlichen Glaubens interpretiert, antwortet die katholische Kirchengeschichtsschreibung (Baronius) in Form von personenbezogener Chronistik, die moralische Handlungs- und Rechtfertigungsexempel für die eigene Gegenwart zur Verfügung stellt, wie etwa Konstantin als das Ideal eines christlichen Herrschers.
Ergebnisse:
Kaiserzeitliche Stoa und römische Belletristik - das Problem von Entscheidungsfreiheit und Determinismus in Senecas Tragödien und Lucans Epos (Teil der 2002 vorgelegten Habilitationsschrift)
Proles vaesana Philippi - totius malleus orbis. Die Alexandreis des Walter von Châtillon und ihre Neudeutung von Lucans Pharsalia im Sinne des typologischen Geschichtsverständnisses, München 2001 (BzA 140)
Imitatio Constantini - Das Konstantinsbild und die Auswertung spätantiker und byzantinischer Autoren in den Trophaea Bavarica als Antwort auf die reformatorische Kirchengeschichtsschreibung, in: J. Oswald u.a. Hgg., Jesuitica, München 2001 (Zeitschrift f. bayer. Landesgesch. Bh. 17), 155-183.