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Drittmittelprojekt

Titel:
Das "kulturelle Gedächtnis" der Würzburger
Judensteine im europäischen Vergleich

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
1. Die 1508 mittelalterlichen Grabsteine aus Würzburg umfassen die Zeit
zwischen 1129 und 1346. Die Inschriften geben die Selbsteinschätzung und
die Wertungsskala einer mittelalterlichen Judengemeinde über 200 Jahre
hinweg wieder. Dieses "kulturelle Gedächtnis" soll erstmals erhoben mit
der klassischen jüdischen Traditionsliteratur abgestimmt und europäisch
verglichen werden.

1.1. Die Bezugnahmen der Grabsteine auf die jüdische Überlieferung (Bibel,
Bibelkommentar, Talmud, Siddur) sollen detailliert erhoben werden.

1.2. Die Selbstverwaltung der Jüdischen Gemeinde im Mittelalter soll über
die Nennung der Ämter auf den Steinen verfolgt und halachisch geklärt
werden.

1.3. Das geistige Profil der Gemeinde soll anhand der technischen
Bezeichnungen des jüdischen Schulsystems auf den Grabsteinen (Rabbiner,
Chaver, Bachur) in seiner Entwicklung herausgearbeitet und an den
klassischen Anforderungen der jüdischen Traditionsliteratur gemessen
werden.

1.4. Die enorme paläographische Spannweite der Steine soll genutzt werden,
um mit Hilfe datierter Handschriften jene Grabsteine zu datieren, deren
Daten weggebrochen sind.

1.5. Durch Digitalisierung der Fotos und dadurch ermöglichte EDV-gestützte
Beweglichkeit, sollen weitere Grabsteinfragmente zusammengeführt werden.

2. Unser Forscherteam ist überzeugt, die vorgesehenen Aufgaben in zwei
Jahren zu bewältigen.

2.1. Wir werden einem hochkarätigen Spezialisten für die mittelalterliche
Traditionsliteratur, Herrn Rami Reiner, zuarbeiten. Vor allem geht es
darum, die sehr schwierigen (oft verborgenen) Bezugnahmen auf Bibel,
Bibelkommentar, Talmud, Halacha und Siddur zu erkennen. Dazu muss die
gesamte mittelalterliche Literatur des Judentums durchgesehen werden
(vgl. Schut-Projekt in Bar Ilan, Tel Aviv).

2.2. Mit Hilfe von Spezialisten aus der Handschriftenabteilung der
Nationalbibliothek in Jerusalem sollen Steinfragmente, deren Daten
weggebrochen sind, neu datiert werden.

2.3. Unsere Arbeiten müssen zum Teil in Deutschland, wo die Steine lagern,
zum anderen Teil in Israel, gemacht werden, wo in der Nationalbibliothek
jedes Buch zur Verfügung steht.

3. Das archäologische Material der "Würzburger Judensteine" ist einmalig
und neu. Noch nie war es bislang möglich, auf einer solchen Grundlage
das kulturelle Gedächtnis, das sich eine mittelalterliche Jüdische
Gemeinde zubilligte, über zwei Jahrhunderte hinweg zu verfolgen und
im europäischen Kontext zu vergleichen.

Schlagworte:
    Kulturelles Gedächtnis

Laufzeit: von 01.2003 bis 12.2004

Förderinstitution:
Sonstige Stiftung ( German Israeli Foundation )

Vorläuferprojekt:
siehe BE006_Tombstones