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Lehrstuhl für Moraltheologie
Sanderring 2, 97070 Würzburg Mail: sebastian.schoknecht@mail.uni-wuerzburg.de Url: http://www.theologie.uni-wuerzburg.de/syst/thmth/home.htm |
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Forschungsschwerpunkte (und Projekte auf Basis der Grundausstattung):
Die Zeit ist heute für viele Menschen zu einer bedrängenden Macht geworden. Zeitknappheit, aber auch viel zu viel Zeit, Stress und Langeweile – in diesen beiden Extremen stellt sich die spezifische Zeitnot vieler Menschen dar. Ihre Not liegt darin, dass sie sich um die Möglichkeit betrogen sehen, sich selbst in der Zeit ihres Lebens verwirklichen zu können. Sie sehen sich um das kostbarste Gut ihres Lebens betrogen: die Lebenszeit selbst. Die häufige Rede vom neuen Versuch im nächsten Leben, die Sympathie für die Wiedergeburtsvorstellung verrät das ernst zu nehmende Leiden vieler Menschen an der ungelebten, verlorenen Zeit ihres Lebens. So stellt sich die Frage nach einer kritischen Überprüfung unseres Verhältnisses zur Zeit und nach Perspektiven für einen gewandelten Umgangs mit ihr.
1. Um hier zu Perspektiven zu kommen, sind in einem ersten Schritt die Gründe für die ge-genwärtige Zeitnot zu analysieren. Dabei sind die kultur- und geistesgeschichtlichen sowie die soziologischen und psychologischen Dimensionen bereits eingehend bearbeitet. Die Gründe liegen im wesentlichen zum einen – beginnend mit dem Aufkommen der Räderuhren und ihrem künstlichen Rhythmus – in der Vergegenständlichung und Quantifizierung der Zeit und der damit verbundenen Vorstellung, sie nach eigenem Willen und Interessen einteilen, verplanen, ausnutzen, kurz: beherrschen zu können; zum anderen – auf der Grundlage des blühenden Wirtschaftslebens Europas in der Neuzeit – in der Ökonomisierung der Zeit. Bei-des führt zu jener ungeheuren Beschleunigung des gesamten Lebens, die sich heute durch die modernen Informations- und Kommunikationssysteme zu einer Dauerverfügbarkeit und uni-versalen Gleichzeitigkeit aller Dinge und Ereignisse steigert, die die Erfahrung der Zeit auf die reine Gegenwart reduziert.
Je mehr aber diese Strukturen der Zeiterfahrung Gestalt gewinnen, um so drängender taucht der Wunsch nach mehr eigener, selbstbestimmter Zeit, nach mehr „Eigen-Zeit“ auf. Zugleich liegen eine Fülle von Strategien und Ratschlägen vor, wie sich Zeit im Sinne solcher Eigen-zeit organisieren und human gestalten lässt: auf politischer Ebene etwa durch innovative Ar-beitszeitregelungen oder durch Entschleunigungsprogramme, auf individueller Ebene durch persönliches Zeitmanagement, durch Beachten eigener Biorhythmen oder Rhythmen der Na-tur. Allerdings ist auch die Ambivalenz der genannten Strategien nicht zu übersehen.
2. Während zu diesen Zusammenhängen also bereits erhebliche Vorarbeiten vorliegen, be-steht aus Sicht der theologischen Ethik ein Desiderat in der Frage nach der Gültigkeit und Angemessenheit solcher Ratschläge. Es erscheint dringend notwendig, in einem zweiten Schritt – und dies ist die eigentliche Zielsetzung des Projekts – den Begriff „Eigenzeit“ auf der Ebene einer anthropologischen Gesamtschau zu reflektieren. In diese Reflexion müssen neben den verfügbaren humanwissenschaftlichen auch die philosophischen Aussagen zum Wesen der Zeit, zum Zusammenhang von Zeit und Identität, sowie zur Bedeutung der Religi-on und des christlichen Glaubens einbezogen werden. Dabei wird es um eine fundamentale Umkehr im Grundverständnis der Zeit, in der wir die Zeit nicht mehr primär als messbaren und handhabbaren Gegenstand auffassen, sondern als eigene unhintergehbare Lebenszeit, die gerade auch dann, wenn wir die Zeit wie einen Gegenstand messen und verplanen, hinter un-serem Rücken verrinnt und dabei entweder unsere eigene Zeit wird oder verloren geht.
Auf der Grundlage einer solchen Reflexion ist dann nach Konsequenzen für einen konkreten Umgang mit der Zeit und ihre humane Gestaltung sowohl auf Handlungsebene als auch auf der Haltungsebene zu fragen: Vorhandene Empfehlungen und Strategien für den rechten Um-gang mit der Zeit wären zu überprüfen und einzuordnen, entsprechende Aufgaben, die der bewussten, willentlichen Gestaltung und der ethischen Lebensführung des einzelnen im Sinne einer „Kunst des Lebens“ bedürfen und die wir heute in der Zeitvergessenheit unserer Zeit erst wieder mühsam erlernen müssen, wären zu formulieren.
Ergebnisse:
k.A.
Auszeichnungen und Preise:
k.A.
Ausstattung:
k.A.
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