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Drittmittelprojekt

Titel:
Vergleich unterschiedlicher Systeme der sozialmedizinischen Begutachtung bei der Steuerung des Reha-Zugangs (Projekt C-2)

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:


Hintergrund

Eine Verbesserung der in der Fachwelt oft kritisierten Reha-Zugangsproblematik muss sich unter anderem auf die Weiterentwicklung von Verfahren zur sozialmedizinischen Prüfung der Reha-Bedürftigkeit beziehen. Bei der sozialmedizinischen Prüfung der Reha-Bedürftigkeit werden bei den Rentenversicherungsträgern seit mehreren Jahren unterschiedliche Verfahren eingesetzt (A: Begutachtung aufgrund der Aktenlage (Prüfarzt), B: Untersuchungsbegutachtungen im eigenen sozialmedizinischen Dienst und C: Untersuchungsbegutachtungen durch beauftragte externe Gutachter), ohne dass bislang empirisch gesicherte Kenntnisse über deren Güte vorliegen.



Ziele und Fragestellungen

Ziel des Projektes ist es, die unterschiedlichen Erhebungs- und Beurteilungsverfahren A, B und C zu vergleichen. Es soll überprüft werden, inwieweit die Ergebnisse der drei Begutachtungsformen, die als distinkte diagnostische Entscheidungen betrachtet werden, sich unterscheiden. Außerdem sollen die Verfahren an den Außenkriterien (Reha-Bedürftigkeit aus Sicht der Klinikärzte und aus Patientensicht sowie Reha-Erfolg) gemessen werden.



Studiendesign/Instrumente

Der Versuchsplan entspricht einer Validierungsstudie für ein selektives Diagnostik-Instrumentarium. Die Validierungsstudie wird im Sinne eines quasi-experimentellen Designs umgesetzt. Die Reha-Antragsteller eines Sozialmedizinischen Dienstes (n = 400) werden nach der Entscheidung nach Aktenlage randomisiert einer der beiden Formen der Untersuchungsbegutachtung zugewiesen. Deren Ergebnis wird unabhängig vom Ergebnis der Erstbegutachtung festgestellt („doppelblind”). Patienten, bei denen mindestens ein Begutachtungsergebnis positiv ist, erhalten eine Reha-Maßnahme. Die Patienten werden zu fünf Messzeitpunkten befragt (t1 = Reha-Antragstellung, t2 = Reha-Aufnahme, t3 = Reha-Ende sowie 3 Monate nach der Reha [Katamnese 1, t4] und 12 Monate nach dem Reha-Aufenthalt [Katamnese 2, t5]). Die Einschätzung durch Klinikärzte erfolgt sowohl zu t2 als auch zu t3. Patienten mit zweifach negativem Begutachtungsergebnis (zu t1) werden 12 Monate nach dem Untersuchungsbegutachtungstermin nochmals mittels des IRES-Fragebogens befragt.



Zur Einschätzung der Rehabilitationsbedürftigkeit aus Patientensicht wurde der IRES Fragebogen Version 2.1 (Gerdes, Jäckel, 1995) eingesetzt, zur Erfassung des Untersuchungsobjektes (der sozialmedizinischen Entscheidungsprozedur zur Reha-Indikationsstellung) wurden spezielle Rating-Instrumente (Checklisten) entwickelt, mit der neben der ärztlichen Indikationsstellung „Reha-Maßnahme ja/nein” die wichtigsten sozialmedizinischen Begutachtungskriterien erfasst wurden.



Ergebnisse

Die vorgesehene Erhebung konnte wie geplant in den Jahren 2000 und 2001 in den sozialmedizinischen Diensten der bayerischen Landesversicherungsanstalten realisiert werden. Die katamnestischen Erhebungen erfolgten in den Rehabilitationskliniken. Insgesamt wurden 534 Patienten zu t1 (Reha-Antrag) in die Studie aufgenommen, in der t3-Erhebung am Ende des Reha-Aufenthaltes waren die Daten von 443 Rehabilitanden verfügbar.



Die Übereinstimmung zwischen den internen Gutachtern und Prüfärzten ist tendenziell höher als die zwischen externen Gutachtern und Prüfärzten. Die externen Gutachter lehnen mehr Reha-Anträge ab als die internen Gutachter und die Prüfärzte. Diese Unterschiede erklären sich durch eine unterschiedliche Gewichtung einzelner Entscheidungskriterien durch Prüfärzte und Gutachter. Die Korrelationen zwischen den Beurteilungen einzelner Begutachtungskriterien und inhaltsgleichen IRES-Unterskalen zeigen, dass die Untersuchungsgutachter (interne und externe) die Patientenperspektive in einem höheren Ausmaß berücksichtigen als die Prüfärzte. Ein Vergleich der einzelnen Verfahren mit den längerfristigen Reha-Erfolgsdaten steht noch aus.

Schlagworte:
    medizinische Rehabilitation
    Sozialmedizin
    sozialmedizinische Begutachtung
    sozialmedizinische Entscheidungsprozedur zur Reha-Indikationsstellung
    Evidence basierte Medizin
    Erhebungssstudie

Laufzeit: von 10.1998 bis 04.2002

Förderinstitution:
Sonstige öffentliche Mittel ( LVA-Unterfranken ) ,Genehmigungsdatum: 26.08.1998

Publikationen:

Links:
RFB-Homepage