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Drittmittelprojekt

Titel:
Abschätzung der Validität, Praktikabilität und Akzeptanz eines modifizierten Screening-Verfahrens zur Erfassung von Qualitätsproblemen in der medizinischen Rehabilitation der gesetzlichen Unfallversicherung

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
Im Rahmen der Qualitätssicherung in der medizinischen Rehabilitation der gesetzlichen Unfallversicherung wurde ein indikatorenspezifisches Screening-Instrument als diagnostischer "Filter", der eine spezifische Auswahl von Rehabilitationsmaßnahmen mit potenziellen Qualitätsmängeln ermöglicht, evaluiert.

Auf der Basis eines Vorläuferprojektes ("Erprobung eines indikatorenbasierten Screening-Systems als Weiterentwicklung im Peer Review der gesetzlichen Unfallversicherung") wurde das Screening-Instrument modifiziert und bei drei gesetzlichen Unfallversicherungsträgern eingesetzt. Es wurde bei jeder im Erhebungszeitraum (Juni bis November 2005) dort anfallenden Rehabilitationsmaßnahme (n = 189) im Hinblick auf mögliche Qualitätsprobleme in therapeutischen, administrativen und anderen Bereichen ausgefüllt. Adressaten des Screenings waren die in den Unfallversicherungen tätigen Sachbearbeiter. Zur Validierung des Verfahrens wurde die Bewertung durch einen Mediziner als Kriterium herangezogen. Die durch das Screening als auffällig klassifizierten Maßnahmen sowie eine vergleichbare Zahl als unauffällig eingestufter Fälle wurden den Beratenden Ärzten der Unfallversicherungsträger vorgelegt (n = 56). Diese nahmen eine Bewertung der administrativen und medizinisch-therapeutischen Behandlungsqualität vor. Um die Akzeptanz des Verfahrens zu bewerten, wurde die Screening-Checkliste abschließend von den beteiligten Sachbearbeitern im Hinblick auf Praktikabilität und Routinetauglichkeit beurteilt.

Ca. ein Fünftel (22%) der beurteilten Fälle wurde von den Sachbearbeitern der Unfallversicherung als potenziell mängelbehaftet klassifiziert. Stationäre und ambulante Rehabilitationsmaßnahmen wiesen diesbezüglich keine bedeutsamen Unterschiede auf. Der nicht zeitgerechte Eingang bzw. das Fehlen von Unterlagen, Komplikationen im Behandlungsverlauf sowie eine fehlende oder mangelhafte Verbesserung der Symptomatik wurden als häufigste Probleme angeführt.

Die Beratenden Ärzte werteten 21% der ihnen vorliegenden Fälle als problematisch hinsichtlich der Dokumentations- und/oder der Behandlungsqualität. Bei 18% der Fälle stellten die Mediziner deutliche bis gravierende Mängel in administrativer Hinsicht fest, bei 14% wurden entsprechende Mängel im therapeutisch-medizinischen Bereich angeführt. Stationäre und ambulante Maßnahmen unterschieden sich im Arzturteil signifikant hinsichtlich des Vorliegens möglicher Qualitätsmängel; stationäre Maßnahmen wiesen deutlich seltener Qualitätsprobleme auf.

Die im Rahmen der Validierung des Verfahrens ermittelte Übereinstimmung zwischen Arzturteil und Screening war mäßig. Sensitivität, Spezifität und positiver Prädiktionswert waren niedrig und erwiesen sich als unzureichend. Hingegen konnte ein recht hoher negativer Prädiktionswert (zwischen 79 und 90%) festgestellt werden.

Unter Verwendung des ärztlichen Urteils als Validierungskriterium scheint eine akkurate Erfassung möglicher Qualitätsprobleme in der medizinischen Rehabilitation durch das Screening-Verfahren noch nicht in hinreichendem Maß möglich zu sein. Die mangelnde Kriteriumsvalidität des Verfahrens zeigt weiteren Forschungsbedarf auf, der sowohl auf methodische Merkmale als auch auf Aspekte der inhaltlichen Weiterentwicklung und Modifizierung der Zielrichtung des Instrumentes fokussieren wird; mögliche Ansatzpunkte sind eine Modifizierung der Itemformulierung und -auswahl und des Antwortformats wie auch der Einsatz der Checkliste als parallel bzw. komplementär zu anderen Qualitätssicherungsmaßnahmen zu verwendendem Instrument.

Im Urteil der Sachbearbeiter der Unfallversicherung ist das Instrument als sinnvolles und nützliches Verfahren gewertet worden, was für die Routinetauglichkeit und Praxisrelevanz dieses Ansatzes spricht, der die Sachbearbeiterexpertise als weitere, wichtige Perspektive in der Qualitätssicherung aufgreift.

Schlagworte:
    Unfallversicherung
    Qualitätssicherung
    Rehabilitation
    Screening

Laufzeit: von 06.2005 bis 11.2005

Förderinstitution:
Sonstige öffentliche Mittel ( Bundesverband der Unfallkassen )

Vorläuferprojekt:
Erprobung eines indikatorenbasierten Screening-Systems als Weiterentwicklung im Peer Review der gesetzlichen Unfallversicherung