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Drittmittelprojekt

Titel:
Erprobung eines indikatorenbasierten Screening-Systems als Weiterentwicklung im Peer Review der gesetzlichen Unfallversicherung

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
Die Evaluation des Peer Review als Qualitätssicherungsinstrument in der Rehabilitation hat Verbesserungspotenziale hinsichtlich Validität und Ökonomie erkennen lassen. Die Entwicklung weniger aufwändiger Verfahren, welche die Analyse solcher Rehabilitationsmaßnahmen, bei denen sich potenzielle Qualitätsprobleme andeuten, erlauben, ist daher angezeigt.

Entsprechend erscheint ein gestuftes diagnostisches Vorgehen sinnvoll, bei dem eine kriterienorientierte Fallauswahl vorgenommen wird. Solche Fälle, die durch ein Screening-Instrument in einer ersten groben Diagnose als potenziell auffällig in qualitativer Hinsicht herausgefiltert werden, können in einem zweiten Schritt in ein umfangreicheres Qualitätsprüfverfahren eingehen. Ein solches Vorgehen bietet den Vorteil einer höheren Wirtschaftlichkeit, da in erster Linie solche Rehabilitationseinrichtungen aufwändigeren Maßnahmen der Qualitätssicherung unterzogen werden, in denen Fälle mit potenziellen Qualitätsproblemen gehäuft auftreten.

Im Forschungsprojekt wurde ein indikatorenbasiertes Screening in Form einer Checkliste in einer Geschäftsstelle der gesetzlichen Unfallversicherung erprobt. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Analyse der Praktikabilität, Verständlichkeit, Routinetauglichkeit und Akzeptanz des Verfahrens. Adressaten der Checkliste waren die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter des Versicherungsträgers, die ihnen vorliegende Fälle und Maßnahmen anhand des Screening-Instrumentes im Hinblick auf mögliche Qualitätsmängel beurteilen sollten. Hierdurch konnten die fachliche Expertise und die Erfahrungen der Sachbearbeiter gezielt einbezogen und genutzt werden.

In einem ersten Schritt wurden relevante Indikatoren und Kriterienbereiche, welche mit dem Screening erfasst werden sollten, entwickelt und inhaltlich spezifiziert. Aufgrund des Mangels an Forschungsarbeiten in diesem Kontext wurde ein exploratives Vorgehen gewählt. Die Entwicklung des Screenings stützte sich dabei auf Literaturrecherchen, statistische Analysen von Daten eines Forschungsprojektes zur Evaluation des Peer Review-Verfahrens sowie Expertenbefragungen. Auf der Basis der gewonnenen Kriterienbereiche wurde ein Kurzfragebogen Checkliste Qualitätsreport Rehabilitation für Sachbearbeiter erstellt, welcher in Zusammenarbeit mit der kooperierenden Unfallkasse modifiziert wurde.

Das Screening erfragt die Art der Rehabilitationsmaßnahme sowie das allgemeine Vorliegen von Qualitätsproblemen. Bei Hinweisen auf Qualitätsprobleme soll der Sachbearbeiter anhand einer Liste von 13 Kriterien spezifizieren, um welche Arten möglicher Qualitätsmängel es sich handelt. Die Indikatoren umfassen administrative, therapeutisch-medizinische sowie sonstige Aspekte der Rehabilitation. Parallel wurde zudem ein Glossar für die Sachbearbeiter erstellt, in dem die einzelnen Kriterien genauer erläutert wurden. Dieses diente der Reduktion möglicher Unklarheiten sowie der Herstellung eines einheitlichen Verständnisses der Kriterien.

Im Erhebungszeitraum (November 2004 bis Februar 2005) wurde das Screening in einer Geschäftsstelle der gesetzlichen Unfallversicherung modellhaft erprobt. Bei der überwiegenden Zahl der beurteilten Rehabilitationsmaßnahmen (N = 23) lagen nach Einschätzung der Sachbearbeiter keine Qualitätsprobleme vor (87%). Bei drei Fällen (13%) wurde das Vorhandensein potenzieller Qualitätsmängel konstatiert. Zu den angegebenen Problemen zählten das Fehlen relevanter Unterlagen, eine zu lange Dauer von Rehabilitationsmaßnahmen, falsche oder unnötige Behandlungsmaßnahmen sowie eine mangelnde oder unzureichende Verbesserung der Symptomatik.

Eine Nachbefragung mittels eines Evaluationsbogens zeigte, dass die Kriterien der Screening-Checkliste als verständlich angesehen werden und das Verfahren selbst als routinetauglich bei mittlerem Arbeitsaufwand eingestuft wird.

Das Screening soll künftig in modifizierter Form im Hinblick auf seine diagnostische Güte (Validität, Sensitivität) an einer größeren Fallstichprobe untersucht werden. Bei gegebener Praktikabilität und methodischer Güte ist das mittelfristige Ziel eine Etablierung als Routineinstrument in der Qualitätssicherung der Rehabilitation der gesetzlichen Unfallversicherung.

Schlagworte:
    Unfallversicherung
    Rehabilitation
    Qualitätssicherung
    Screening

Laufzeit: von 10.2004 bis 02.2005

Förderinstitution:
Sonstige öffentliche Mittel ( Bundesverband der Unfallkassen )