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Forschungsschwerpunkt:  

Lehrstuhl für neuere dt. Literaturgeschichte u. Ideengeschichte
Am Hubland, 97074 Würzburg
Mail: Peter-Andre.Alt@mail.uni-wuerzburg.de
Url: http://www.uni-wuerzburg.de/germanistik/neu/alt

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Forschungsschwerpunkte (und Projekte auf Basis der Grundausstattung):


1. Methodische und fachliche Interessenschwerpunkte


Meine bisherigen Veröffentlichungen (seit 1985 sieben Monographien, ca. 40 Aufsätze, 25 Rezensionen) gelten der deutschen Literatur des 17.-18. und des 20. Jahrhunderts. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die Frühe Neuzeit, die Epoche der Aufklärung (mit besonderer Berücksichtigung von Drama und Theater), die Weimarer Klassik und die Literatur der klassi-schen Moderne. Zentrale Themen meiner wissenschaftlichen Arbeit waren Fragen der Poetik bzw. literarischen Struktur (Ironie, Allegorie - als Gegenstände von Dissertation und Habilitationsschrift), der Dramengeschichte (des 17. und 18. Jahrhunderts), der Ästhetik der Weima-rer Klassik, Aspekte des Verhältnisses von Wissen und Literatur in der frühen Neuzeit, Probleme der poetischen Sprache bzw. ihrer literarischen Selbstreflexion in der ästhetischen Moderne (George, Hofmannsthal, Musil, Kafka), Gesichtspunkte der Rezeptionsgeschichte (am Beispiel Hölderlins), der literarischen Kulturgeschichte des Traums, Literaturtheorie (russischer Formalismus, Prager Strukturalismus, Benjamin, Adorno) und Wissenschaftsgeschichte des Faches (Friedrich Gundolf und der George-Kreis, germanistische Lessing-Rezeption, Literatur und Wissenstheorien).


Die Auseinandersetzung mit der Literatur des 17.-18. Jahrhunderts schloß dabei auch gesamt-europäische Perspektiven ein. Die Habilitationsschrift über die literarische Allegorie der frühen Neuzeit untersucht nicht nur deutsche Texte, sondern auch die Werke spanischer und italienischer Autoren (Calderón, Saavedra Fajardo, Marino, Tesauro). Meine Bücher zur Literatur der Aufklärung berücksichtigen verstärkt die europäische Ideengeschichte von Descartes bis Kant, die zweibändige Schiller-Monographie stellt Leben und Werk des Autors vor dem Hintergrund der kultur- und sozialhistorischen Entwicklung im 18. Jahrhundert vor. Die an meinem Würzburger Lehrstuhl verfolgten Projekte (s.u.) gelten der Untersuchung der Wechselbeziehung zwischen Literatur und Kultur- bzw. Mentalitätsgeschichte im Zeitraum zwischen 1600 und 1800. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Auseinandersetzung mit Drama und Theater der frühen Neuzeit; weitere Forschungsfelder bilden die Beschäftigung mit der literarischen Rezeption naturwissenschaftlicher bzw. anthropologischer Theoriemodelle sowie die Untersuchung des Einflusses der Literatur auf den Prozeß sozialer Identitätsstiftung und die Konstituenten ästhetischer Erfahrung im Horizont der Kulturgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts (Ordnungsfunktionen des Wissens im Kontext literarischer Darstellungsformen, Politik und Macht als Themen des europäischen Geschichtsdramas, Evolution kultureller Normen vor dem Hintergrund sich verändernder anthropologischer Konzepte). Hinzu tritt im Rahmen eines aktuellen Kafka-Forschungsprojekts (s.u.) die Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne unter besonderer Berücksichtigung des Verhältnisses von Literatur und Judentum bzw. der Rechts- und Mediengeschichte.


Poetologische und ästhetische Fragen spielten in meinen ersten Publikationen seit der Mitte der 80er Jahre eine wichtige Rolle. Die Dissertation beschränkt sich nicht auf eine stilanalytische Behandlung des Ironiekomplexes, sondern formuliert eine durch Hegel geprägte Kritik der modernen Romanironie. Die Habilitationsschrift bemüht sich um eine quellengestützte Darstellung der Entwicklung literarischer Allegorik zwischen 1600 und 1800, welche die Probleme ästhetischer Formstrukturen und den einschneidenden wissensgeschichtlichen Paradigmenwechsel im Umbruch zwischen Barock und Aufklärung gleichermaßen zu erhellen versucht; für die methodische Ausrichtung besaßen dabei Hans Blumenbergs Studien zur Metaphorologie ebenso Bedeutung wie Michel Foucaults wegweisende Rekonstruktion der epistemischen Ordnungen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert. In späteren Arbeiten wurde das literaturwissenschaftliche Interesse durch eine vergleichende historische Perspektive unterstützt. Mein Buch über die deutsche Tragödie der Lessing-Zeit liefert eine Darstellung der Gattungsgeschichte, die auch den intellektuellen bzw. erkenntnistheoretischen Veränderungsprozessen seit dem Ende des 17. Jahrhunderts Rechnung tragen möchte. Die Monographie zur Literatur der Aufklärung bietet eine Gesamtdarstellung der Epoche, die im Licht der neueren (hier näher kommentierten) Forschung einen besonderen Akzent auf das Verhältnis von Literatur, Philosophie, Naturwissenschaft und Anthropologie im 18. Jahrhundert legt. Die Schiller-Monographie operiert im Kontext der Kultur- und Sozialgeschichte der Spätaufklärung; das schließt neben dem Blick auf Popularphilosophie (Schillers Frühwerk) und Idealis-mus (Kant-Rezeption in der klassischen Periode) die Auseinandersetzung mit Fragen der zeitgenössischen Wissensordnungen (zumal Anthropologie und Psychologie), des Literaturmarkts, der Poetik und Ästhetik des ausgehenden 18. Jahrhunderts, mit Theaterbetrieb, Ge-schlechterrollenbildern und Gesellschaftspolitik ein. Das in diesem Jahr (2002) erschienene Buch "Der Schlaf der Vernunft. Literatur und Traum in der Kulturgeschichte der Neuzeit" versucht am Leitfaden der literarischen Darstellung des Traums den Zusammenhang von Literatur und anthropologischem Wissen gleichermaßen aus systematischer und historischer Perspektive zu beleuchten.
Einige Grundsätze meines methodischen Selbstverständnisses, die auch künftig die eigene Arbeit leiten werden, habe ich formuliert in dem Beitrag "Votum für literaturgeschichtliche Praxis" (Schiller-Jahrbuch 39 [1995], S.424-434).






2. Aktuelle Projekte


Zum aktuellen DFG-Projekt "Literatur und Traum" s. die gesonderen Angaben in diesem Bericht.


Neben dem DFG-Projekt steht die Arbeit an einer umfassenden Kafka-Untersuchung. Es handelt sich um den Versuch einer ? gerade angesichts der atomistischen Ansätze der Forschung überfälligen ? Gesamtdarstellung, die Kafkas Werk im zeit- und kulturgeschichtlichen Kontext erfassen möchte. Entscheidende Bedeutung für das besondere Profil des Buchs besitzt die Rekonstruktion der komplexen Bezugsfelder, die Kafkas Arbeiten beeinflussen (literarische Vorbilder von Flaubert bis Thomas Mann, Malerei und Ästhetik des Stummfilms). In weitaus umfassenderem Maße als in früheren Studien wird hier die Geschichte und Kultur Prags (Politik, Wirtschaft, Architektur, Bildungswesen, Literatur, Publizistik) dargestellt, um ein fundierteres Verständnis von Kafkas ?uvre zu ermöglichen (die Arbeiten Binders bieten hier materielle Anregungen, vermögen jedoch aufgrund ihrer positivistischen Ausrichtung keine überzeugenden Textanalysen zu liefern). Die Bildungsgeschichte des Autors (Rezeption Schopenhauers, Kierkegaards, Nietzsches und der Philosophie Franz von Brentanos, "Kunstwart"-Lektüre, literarische Sozialisation und früher Zionismus, Psychoanalyse und Anthroposophie) rückt ebenso ins Blickfeld wie die Rolle der jüdischen Traditionen (jiddisches Theater, chassidische Überlieferungen), die Kafkas Erzählformen und -motive entscheidender prägen, als man dieses früher annahm. Prag, die Bildungsgeschichte und die jüdische Überlieferung repräsentieren das Dreieck, welches das Buch präzis kennzeichnen wird, um eine facettenreiche Einsicht in Kafkas Produktion zu vermitteln. Herzustellen gilt es dabei die Balance zwischen Kontextualisierung und immanenter Lektüre, die verdeutlichen soll, daß Kafkas Texte unter dem Einfluß komplexer kultureller Bezugsfelder stehen, diese jedoch in sehr eigenwilliger Weise auflösen, diskursiv zerstreuen, umwerten und damit poetisch produktiv machen.

Ergebnisse:
siehe oben

Ausstattung:
zwei wissenschaftliche Mitarbeiter (13A/halbe)
drei studentische Hilfskräfte (8 Std./Woche)

DFG-Projekt:
eine wissenschaftliche Mitarbeiterin (BAT IIa)
eine wissenschaftliche Hilfskraft (5 Std./Woche)