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Drittmittelprojekt

Titel:
"Legasthenie" versus allgemeine Lese-Rechtschreibschwäche (LRS): Analysen zur Legitimation dieser diagnostischen Differenzierung

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
In unseren Untersuchungen wurde der Frage nachgegangen, inwieweit die in der medizinischen und psychologischen Praxis vorgenommene diagnostische Differenzierung zwischen "Legasthenikern" und "allgemein lese-rechtschreibschwachen Kindern" gerechtfertigt ist. Als Legastheniker werden nach der Diskrepanzdefinition solche Kinder bezeichnet, die bei zumindest durchschnittlicher Intelligenz erwartungswidrig schwache Leistungen im Lesen und Rechtschreiben zeigen; allgemein lese-rechtschreibschwache Kinder zeigen entsprechend schwache Leistungen im Lesen und Rechtschreiben, jedoch bei unterdurchschnittlicher Intelligenz. Die Diskrepanzdefinition ist implizit mit der Annahme verknüpft, dass sich die Legastheniker von den übrigen lese-rechtschreibschwachen Kindern hinsichtlich ihrer Ätiologie, Prognose und Therapierbarkeit abgrenzen lassen. Die Berechtigung der Annahme einer differentiellen Ätiologie und Therapierbarkeit wurde durch den systematischen Vergleich der Legastheniker mit den allgemein lese-rechtschreibschwachen Kindern in zwei Studien überprüft. Dazu wurde eine Stichprobe von 823 Drittklässlern hinsichtlich ihrer Lese-Rechtschreibleistung und ihrer nonverbalen Intelligenz untersucht. Insgesamt 82 Kinder wurden aufgrund ihrer Testergebnisse als lese-rechtschreibschwach eingestuft; als Kriterium diente dabei eine Rechtschreibleistung unter einem Prozentrang von 15 bzw. unter 25, wenn zusätzlich der Prozentrang im Lesen kleiner als 15 war. Insgesamt 56 dieser Kinder wurden aufgrund ihrer zumindest durchschnittlichen Intelligenz als Legastheniker eingestuft (IQ > 85), die übrigen 26 Kinder als allgemein lese-rechtschreibschwach (IQ < 85). In der ersten Studie wurden die beiden Gruppen bezüglich der phonologischen und visuellen Informationsverarbeitung – für den Schriftspracherwerb grundlegende Fertigkeiten – miteinander verglichen. Die zweite Studie beschäftigte sich mit dem Ausmaß, in dem die beiden Gruppen von einem außerschulischen Rechtschreibtraining profitieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Legastheniker und allgemein lese-rechtschreibschwache Kinder weder bezüglich relevanter Vorläuferfertigkeiten des Schriftspracherwerbs noch hinsichtlich ihrer Förderbarkeit unterscheiden.

Schlagworte:
    Diskrepanzdefinition
    Legasthenie
    allgemeine Lese-Rechtschreibschwäche

Laufzeit: von 05.1998 bis 04.2000

Förderinstitution:
DFG ,Genehmigungsdatum: 06.04.1998

Publikationen: