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Drittmittelprojekt

Titel:
Familiale Arbeitsteilung in den Ländern der Europäischen Union: Länderstudie Deutschland

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:
Ziel des Projekts ist eine umfassende, handlungstheoretische Erklärung familialer Arbeitsteilung. Aufgrund der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen und der anhaltend niedrigen Beteiligung von Männern an der Hausarbeit auf der einen Seite, den Gleichstellungsbemühungen in Deutschland und der EU auf der anderen Seite, kommt diesem Thema eine herausragende gesellschaftspolitische Bedeutung zu.
Durch die deutlich geringere Beteiligung der Männer an Hausarbeit und Kinderbetreuung werden Frauen noch immer benachteiligt. Da die Erwerbsarbeit bezahlt und sozial abgesichert ist, Hausarbeit und Kinderbetreuung jedoch unbezahlt "aus Liebe" geleistet werden, ist die Arbeitsteilung ein Hauptmerkmal der sozialen Ungleichheit der Geschlechter. Es fehlt bislang sowohl in Deutschland als auch in den anderen Länder der EU an repräsentativen Bevölkerungsumfragen, die alle theoretisch bedeutsamen
Einflussfaktoren simultan berücksichtigen. In Zusammenarbeit mit dem European Network on Policies and the Division of Unpaid and Paid Labour in Families schließt das Forschungsprojekt diese Forschungslücke. Eine optimale Mischung von Instrumenten erlaubt erstmals die vergleichende Überprüfung der Hypothesen aller gängigen Theorien ( darüber hinaus werden auch neuere
theoretische Entwicklungen berücksichtigt und teilweise zum ersten Mal zur Erklärung familialer Arbeitsteilung herangezogen.) Die Datengrundlage für die Untersuchung bildet eine repräsentative
telefonische Befragung von über 3000 Haushalten in Ost- und Westdeutschland, die vom Institut für angewandte Sozialforschung INFAS im Auftrag der Forschungsgruppe durchgeführt wurde. In Haushalten von Verheirateten bzw. nichtehelichen Lebensgemeinschaften (1036 Befragte ) wurden beide Partner interviewet. Die Befragten wurden außer zur Zeitverwendung ( unterteilt in Erwerbstätigkeit, typische Haushalts- und Kinderbetreuungsaufgaben, sonstige unbezahlte Arbeit und Freizeit ) zur Nutzung außerhäuslicher Kinderbetreuung, zur Inanspruchnahme familien- und sozialpolitischer Maßnahmen ( z.B. Erziehungsgeld), zu ihrer Erwerbsbiographie und Stellung im Beruf, zu ihrer normativen Geschlechtsrollenorientierung, und zum Verlauf und der Qualität ihrer Partnerschaft interviewt. Die Auswertung der Teilstudie zeigt, dass die Verteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung deutlich traditionalen Mustern folgt: Durchschnittlich verwenden Frauen doppelt soviel Zeit für typische Routinetätigkeiten im Haushalt (z.B.: Kochen, Spülen, Wäsche waschen, Putzen u.ä. )wie Männer.
Westdeutsche Frauen verbringen 34 Stunden pro Woche mit diesen Tätigkeiten, ostdeutsche Frauen 33 Stunden, Männer in beiden Teilen des Landes dagegen nur 17 Stunden. Als wichtigster Einflußfaktor der Beeinflussung des Zeitaufwands für die Hausarbeit wurde die Erwerbstätigkeit identifiziert: je länger jemand außer Haus erwerbstätig ist, desto weniger Hausarbeit übernimmt er oder sie. Ebenso spielen Faktoren wie Alter, Bildungsniveau, Haushaltseinkommen und Geschlechtsrollenorientierung eine wichtige Rolle. Im Gegensatz zur Hausarbeit beteiligen sich Männer stärker an der Kinderbetreuung: 19 ( West ) bzw. 16 ( Ost ) Wochenstunden verbringen Väter aus Zweielternfamilien mit ihren Kindern bei gemeinsamen Freizeitaktivitäten oder Hausaufgabenbetreuung. Doch auch bei diesen Tätigkeiten übernehmen Frauen den größeren Anteil: mit 28 Stunden pro Woche verwenden westdeutsche
Mütter 1,5 mal soviel und mit 22 Stunden pro Woche ostdeutsche Mütter 1,4 mal soviel Zeit für direkt kinderbezogene Aktivitäten. Die deutlich bessere Versorgungslage mit außerhäuslicher Kinderbetreuung in Ostdeutschland verringert hier den Aufwand. Ebenso wie bei der Hausarbeit beeinflußt auch
der Umfang der Erwerbstätigkeit den Zeitaufwand der Kinderbetreuung. Eine zusätzliche Stunde Erwerbstätigkeit pro Woche reduziert die Zeit für Kinder um eine Viertelstunde pro Woche. Auch die Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder und deren Alter ist von Bedeutung. Je jünger ein Kind, desto mehr
Zeitaufwand ist für seine Betreuung notwendig. Männer investieren mehr Zeit in die Hausarbeit, nicht aber in die Kinderbetreuung, wenn ihre Partnerin ökonomisch unabhängig ist. Zur Zeit werden die Partnerbefragung und der internationale Datensatz ausgewertet.

Schlagworte:
    Arbeitsteilung
    Erwerbstätigkeit
    Familie
    Geschlecht
    Geschlechtsrollenorientierung
    Hausarbeit
    Kinderbetreuung

Laufzeit: von 04.2000 bis 03.2004

Förderinstitution:
DFG ,Genehmigungsdatum: 20.12.1999

Publikationen:

Links:
DFG-Projekt