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Forschungsschwerpunkt:  

Forschungsgruppe Klostermedizin
Oberer Neubergweg 10a, 79074 Würzburg
Mail: johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de
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Wissenschaftliche Mitglieder:

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   Wissenschaftliche Mitarbeiter:

   Sonstige beteiligte Personen und Organisationen:

Forschungsschwerpunkte (und Projekte auf Basis der Grundausstattung):
In der Medizingeschichte wird mit „Klostermedizin“ eine Epoche in der Geschichte der Heilkunde bezeichnet in der die Klöster eine monopolartige Stellung in der medizinischen Versorgung Europas inne hatten. Diese Epoche reichte etwa vom 8. bis zum 12. Jahrhundert.
Innerhalb der Wissenschaft herrscht die Meinung vor, daß die Aufarbeitung der mittelalterlichen Phytotherapie bereits geleistet sei. In Wahrheit ist jedoch von den meisten Werken nicht einmal die Überlieferung erfaßt. Moderne Editionen gibt es kaum. Die meisten Untersuchungen beschränken sich auf die antike ‚Materia medica’ des Dioskurides (1. Jh. n. Chr.) und das deutsche Kräuterbuch des Leonhart Fuchs (1543), wobei hin und wieder ein Blick in die ‚Physica’ der Hildegard von Bingen geworfen wird, weil hier eine hochdeutsche Übersetzung vorliegt. Da die Äbtissin eine Sonderstellung inne hat, geriet die Geschichte der Phytotherapie im Mittelalter auf diese Weise aus dem Blickfeld. Dabei hat sie eine eigenständige Entwicklung aufzuweisen. Zahlreiche Pflanzen werden in Werken der Klostermedizin erstmals erwähnt: etwa Arnica montana, Calendula officinalis, Angelica archangelica.
Erste Studien zeigen, daß die mittelalterliche Kräuterheilkunde nicht nur eine Übernahme des antiken Wissens ist, und daß ihre Erkenntnisse ebensowenig durch die Gelehrten der Renaissance überholt worden sind. Letztere brachten zum Teil mehr Verwirrung als Klarheit, wie an zahlreichen Beispielen belegt werden kann.

Ergebnisse:
Forschung
Die wissenschaftliche Auswertung der antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literatur zu den Heilpflanzen wird allerdings durch zwei Probleme behindert:
Zum einen durch die große Vielfalt der Namen für ein und dieselbe Pflanzen, die uns in den griechischen, lateinischen und volkssprachigen Werken begegnet, und deren eindeutige Zuordnung nur mit Mühe gelingt und manchmal auch gar nicht zu leisten ist.
Zum anderen durch den Umstand, daß die einschlägige Fachliteratur des 19. und 20. Jahrhunderts die Identifizierungen der Pflanzen nicht begründet, geschweige denn ihre Methoden offen legt.
Um das Hauptproblem – die Beziehung der historischen Pflanzennamen mit der modernen biologischen Nomenklatur – lösen zu können, wurde eine Datenbank zu den antiken und mittelalterlichen Pflanzennamen angelegt. Diese Datenbank ist soweit gediehen, daß sie arbeitsfähig ist. Sie wird allerdings noch lange ergänzungsbedürftig bleiben.
Auf der Basis dieser Datenbank wurden mehrere Darstellungen zur Geschichte einzelner Arzneipflanzen erarbeitet. Bereits publiziert wurden kulturhistorische Portraits zu Vitex agnus-castus (Keuschlamm oder Mönchspfeffer), Calendula officinalis (Ringelblume) und Arnica montana (Bergwohlverleih).
Eine größere Studie zu Valeriana officinalis (Baldrian) ist abgeschlossen und wird demnächst veröffentlicht; weitere große Studien zu Humulus lupulus (Hopfen), Melissa officinalis (Melisse), Hypericum perforatum (Johanniskraut), Cichorium intybus (Wegwarte) stehen kurz vor dem Abschluß.
Mit dem Reprint des ‚Macer floridus’ steht der Text des erfolgreichsten Kräuterbuchs des Mittelalters wieder zu Verfügung. Zusätzlich wurde er von Konrad Goehl unter Mitwirkung von Johannes G. Mayer ins Deutsche übertragen und mit Registern versehen. Außerdem konnte das Werk genauer verortet werden (vgl. Literaturliste: „Höhepunkte der Klostermedizin“).


Aktivitäten:

Gründung: Sommer 1999

Symposien:
1. Klostermedizin, 13. u. 14. September 2000 in Eberbach
- P. Dr. Hermann Josef Roth OCist. (Köln): Das Kloster - Ort der Heilung, Stätte des Heils
- Prof. Dr. John.M. Riddle, North Carolina State University: Impulse für die pharmazeutische Forschung aus der Medizingeschichte
- Dr. Johannes Gottfried Mayer (Würzburg): Geschichte, Gegenwart und Zukunft – die Arbeit der Forschergruppe - ihre Möglichkeiten und Ziele
- Dr. Dr. Bernhard Uehleke (Berlin/Rostock) und Christine Nicolai (Frankfurt): Zur Stichhaltigkeit der Erfahrungsmedizin – ein Vergleich mit moderner Phytotherapie
Dr. Stefan Noé (Bühl/GlaxoSmithKline): Von der Klostermedizin zu modernen Gesundheitskonzepten


2. Von der Klostermedizin zur modernen Phytotherapie - kulturhistorische und medizinische Aspekte
in Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten und dem Museumszentrum Lorsch (Kuratorium Weltkulturdenkmal Kloster Lorsch).
26./27. April, Museumszentrum Lorsch

- Prof. Dr. Walter Berschin (Heidelberg): „Lateinische Literatur aus Lorsch“
- Dr. Johannes Gottfried Mayer (Würzburg): „Das Standardwerk der Klostermedizin: der ‚Macer floridus’“
- Prof. Dr. Konrad Vollmann (München/Eichstätt): „Auf dem Weg zur authentischen Hildegard. Bemerkungen zu den nur in der Florentiner ,Physica‘-Handschrift überlieferten Texten“
- Prof. Dr. Peter Dilg (Marburg): „Simplicia contra Composita: Zur Ehrenrettung der ,einfachen‘ Arznei im 16. Jahrhundert“
- Prof. Dr. Dr. Gundolf Keil (Würzburg): „Das ,Lorscher Arzneibuch‘ als Zeichen für eine Epoche“
- Dr. Sabine Anagnostou (Marburg): „Ethnomedizinische Aspekte jesuitischer Missionstätigkeit in Spanisch-Amerika“
- Prof. Dr. Michel Heinrich (London): Ethnopharmakologie heute: Ziele und Aufgaben
- Dr. Alfred Müller (Herrenberg): Die Rolle der Klostermdeizin-Forschung im Rahmen der EU-Richtlinie zum ‚Well-Established Medicinal Use’“
- Dr. Ernst Schneider (PhytoConsulting, Bad Aibling): „Traditionelle pflanzliche Arzneimittel Probleme des Wirksamkeitsnachweises.“
- Dr. Dr. Bernhard Uehleke (Berlin): „Rationales und Traditionelles in der Phytotherapie“

Die Mehrzahl der Beiträge wurde in einem Themenheft der ‚Zeitschrift für Phytotherapie publiziert (Heft 5/2001, 22. Jg.)


3. „Klostermedizin in Brasilien“
27. und 28. Mai 2002, im Institut für Geschichte der Medizin und dem Missionsärztlichen Institut

Vorträge:
- P. Dr. Hermann Josef Roth OCist. (Köln): „Klostermedizin in Brasilien“
- Dr. Sabine Anagnostou (Univ. Marburg): „Missionsmedizin der Jesuiten in Mittel- und Südamerika“
- Prof. Dr. Miriam Falkenberg (Bundesuniversität Santa Catarina, Florianopolis, SC, Brasilien): „Arzneipflanzenforschung in Brasilien“
- Prof. Dr. Michael Heinrich (School of Pharmacy, University London): „Aspekte der Ethnobotanik, Ethnomedizin- und pharmakologie
- PD Dr. Werner Knöss (Universität Bonn/BfArM): „Mate“
- Dr. Stefan Noé (Bühl/Abtei): Abtei als Projektpartner der Forschergruppe Klostermedizin

4. „Klostermedizin in Österreich“
27. November 2002 im Zisterzienserstift Heiligenkreuz bei Wien

mit Dekan Prof. P. Dr. Karl Wallner Ocist.
Prof. Dr. Dr. h.c. Franz-C. Czygan (Würzburg)
- Dr. Johannes Gottfried Mayer: Die Forschergruppe Klostermedizin – eine Kooperation der Universität Würzburg und Abtei: ausgewählte Beispiele und Ergebnisse der Zusammenarbeit
- Prof. Dr. Theodor Kartnig (Institut für Pharmakognosie der Universität Graz):
Klostermedizin in Österreich am Beispiel der Klosterapotheken Kärntens (oder der Steiermark)
- P. Dr. Hermann Josef Roth OCist. (Köln): Klostermedizin in Brasilien – ein Projekt der Forschergruppe Klostermedizin



Round-Table-Gespräche:

1. „Nachtruhe“: 27. Nov. 2001 im Institut für Geschichte der Medizin.
Mit Prof. Dr. Dr. Jürgen Zulley, Universität Regensburg und Dr. Christoph Teurer, Herrenberg, GlaxoSmithKline

2. „Fastenzeit – Ernährung und Verdauung – Magen-Dam-Beschwerden – Phytotherapie“
21. Februar 2002 in St. Ottilien bei München. Mit Pater Kilian Saum


Publikationen:

Themenheft der ‚Zeitschrift für Phytotherapie’, Bd. 5, 2002 (22. Jahrgang)

Cistercienser Chronik. Forum für Geschichte – Kunst – Literatur und Spiritualität des Mönchtums. Themenheft ‚Klostermedizin’, 109 Jg. 2002 Heft 2

Beiträge:
Hermann Josef Roth: Das Kloster – Ort der Heilung, Stätte des Heils. Anmerkungen zum Projekt „Klostermedizin“
M. Magdalena Aust: Das Kloster als Krankenhaus. „Klostermedizin“ spirituell
Johannes Gottfried Mayer: Zu Geschichte und Geist der Epoche der Klostermedizin
M. Pia Schindele: Ein altdeutscher Eichentraktat in einem Lichtenthaler Arzneibuch
Ludwig Choulant: Macer floridus, De viribus herbarum., Leipzig 1832. Vorwort in leicht kürzender Übersetzung von Konrad Goehl
Ursula Sachau: Katharina, die Siechenmeisterin. Klösterliche Heilkunst an der Schwelle zur Neuzeit
Fritz Kraft: Der Heiland als Apotheker in der Himmelsapotheke
Sabine Anagnostou: Die Missionsmedizin der Jesuiten in Mittel- und Südamerika (16.-18. Jh.)
Thams Richter: Melissa officinalis – eine Heilpflanze im Brennpunkt der Klostermedizin
Johannes Gottfried Mayer und Franz-Christian Czygan: Von „Mönchskopf“ und „Mönchspfeffer“. Zwei Arzneipflanzen der Klostermedizin
Claudia Richter: Zwischen Kreuz und Krankenpflege. Medizinische und pharmazeutische Aspekte im Werk des spätmittelalterlichen Deutschordensritters Heinrich von Pfalzpaint


Weitere Literatur:

Gundolf Keil und Thomas Richter: Klostermann/-Frau Melissengeist. Untersuchungen zum Einfluß des Melissen-Traktates auf die neuzeitliche Kräuterbuchliteratur. In: Iliaster. Literatur und Naturkunde in der frühen Neuzeit. Festgabe für Joachim Telle zum 60. Geburtstag, hrsg. von Wilhelm Kühlmann und Wolf-Dieter Müller-Jahncke, Mantius Verlag Heidelberg 1999, 241-247

Johannes Gottfried Mayer und Franz-Christian Czygan: Vitex agnus-castus L., der oder das Keuschlamm. Ein kulturhistorischer Essay. Zeitschrift für Phytotherapie 20 (1999), 177-182

Johannes Gottfried Mayer und Franz-Christian Czygan: Arnica montana L., oder Bergwohlverleih. Ein kulturhistorischer Essay - und über die Schwierigkeiten, einen solchen zu verfassen. Zeitschrift für Phytotherapie, 21 (2000), 30-36

Johannes Gottfried Mayer und Franz-Christian Czygan: Die Ringelblume - Calendula officinalis L. Kulturgeschichtliches Portrait einer Arzneipflanze. Zeitschrift für Phytotherapie 21 (2000), 170-178

Höhepunkte der Klostermedizin. Der ‚Macer floridus‘ und das Herbarium des Vitus Auslasser. Hrsg. mit einer Einleitung und deutschen Übersetzung von Johannes Gottfried Mayer und Konrad Goehl. Reprint-Verlag Leipzig: Holzminden 2001

Johannes Gottfried Mayer: Klostermedizin. Die Kräutergärten in den ehemaligen Klosteranlagen von Lorsch und Seligenstadt. Publikationen der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, Broschüre 16 Schnell&Steiner, Regensburg 2002

Marek Słon: Die Spitäler Breslaus im Mittelalter, Neriton Verlag Warschau 2001

Ausstattung:
Siehe wissenschaftliche Mitglieder