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Drittmittelprojekt

Titel:
Kriterien zur Vorhersage der Fahrtauglichkeit bei M. Parkinson

Projektleitung an der Universität Würzburg:

Beteiligte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler:

Kurzbeschreibung:

Zur Zeit gilt die motorische Beeinträchtigung als das Hauptdiagnosekriterium bei der Beurteilung der Fahrtauglichkeit von Parkinson-Patienten. Aktuell kam die Diskussion um "Schlafattacken" hinzu. Um zu prüfen, welchen Einfluss diese verschiedenen Faktoren auf die Fahrleistung haben, wurde eine kontrollierte Studie im Fahrsimulator angelegt. Gleichzeitig wurde eine ausführliche Diagnostik mit herkömmlichen Testinstrumenten betrieben. Insgesamt wurden 24 Parkinson-Patienten mit 24 gesunden Personen verglichen, die nach Alter, Geschlecht und Fahrerfahrung gematcht waren. Die Patientengruppe war geschichtet nach Krankheitsschwere (Hoehn & Yahr-Stadien 1, 2 und 3) sowie nach Tagesmüdigkeit (ja vs. nein), so dass sich 3x2 Subgruppen ergaben. Jeder Proband absolvierte zwei Fahrten im High-Fidelity-Simulator des IZVW mit Bewegungssystem. In Fahrt 1 war eine Serie von Verkehrssituationen aufsteigender Schwierigkeit realisiert, Fahrt 2 stellte eine langdauernde Nachtfahrt dar. Um eine Abschätzung der Effektivität der Kompensationsbemühungen bei den Patienten zu bekommen, wurde ein Teil der Fahrt 1 unter "normalen" Bedingungen, ein zweiter Teil unter Zeitdruck gefahren. Als psychometrisches Testverfahren wurde das "Act-React-Testsystem" (ART-2020) verwendet.


Die Ergebnisse zeigen eine duetlich erhöhte Fehlerzahl bei Parkinson-Patienten im Vergleich zu den gesunden Testfahrern (m=15.7, SD=10.4 vs. m=9.6, SD=8.2, p=.020), die vor allem auf eine Verlangsamung und eine schlechte Spurhaltung zurückzuführen sind. Lediglich in den leichten Teilen der Testfahrt waren diese Beeinträchtigungen in der Spurhaltung signifikant mit dem Hoehn & Yahr-Stadium verknüpft. Unter den Monotonie-Bedingungen der Fahrt 2 zeigten sich massive Leistungseinschränkungen für Patienten des Stadiums 3 und für Patienten mit Tagesmüdigkeit. Allerdings zeigten die Patienten auch gegenüber den gesunden Kontrollen deutlich erhöhte Kompensationsbemühungen. Im ART-2020 zeigte sich eine generelle Verlangsamung, aber kaum signifikante kognitive Beeinträchtigungen.


Insgesamt ergab sich, dass sowohl Krankheitsschwere wie Tagesmüdigkeit einen signifikanten Einfluss auf die Fahrleistung haben, aber beide je für sich nicht geeignet sind, die Fahrleistung vorherzusagen. Der wichtigste Faktor scheint die Fähigkeit zu sein, krankheitsbedingte Beeinträchtigungen zu kompensieren. Genau diese Fähigkeit wird allerdings in der traditionellen Testdiagnostik kaum berücksichtigt.

Schlagworte:
    Morbus Parkinson
    Fahrtauglichkeit
    Fahrtüchtigkeit
    Tagesmüdigkeit
    plötzliches Einschlafen
    Schlafattacken

Laufzeit: von 10.2001 bis 06.2003

Förderinstitution:
Sonstige private Mittel ( Deutsche Parkinson Vereinigung, Moselstraße 31, 41464 Neuss )

Vorläuferprojekt:
agkkoerner01

Publikationen:

Links:
Lehrstuhl für Psychologie III (Methodenlehre und Verkehrspsychologie)
Interdisziplinäres Zentrum für Verkehrswissenschaften (IZVW)
Deutsche Parkinson Vereinigung
Neurologische Klinik Augsburg